Bentley University Auslandssemester: Erfahrungsbericht USA

Studierende teilen ihre persönlichen Erfahrungen und Eindrücke vom Auslandssemester während des Studiums

Wintersemester 2024

Über die Bentley University

In diesem Erfahrungsbericht teile ich meine Bentley University Auslandssemester Erfahrungen aus dem Wintersemester 2024. Die Bentley University in Waltham, Massachusetts, ist eine renommierte private Wirtschaftshochschule, die sich etwa 15 Minuten von Boston entfernt befindet. Als traditionsreiche Institution, die bereits 1917 gegründet wurde, hat sie sich besonders im Bereich Business und Finance einen exzellenten Ruf erarbeitet. Was die Universität auszeichnet, ist ihr starker Fokus auf die praktische Anwendung theoretischer Konzepte, insbesondere in technologie-orientierten Wirtschaftsbereichen.

Der Campus beeindruckt mit modernster Ausstattung: Ein hochprofessioneller Trading Room simuliert reale Marktbedingungen, das Center for Business Analytics bietet Einblicke in datengetriebene Geschäftsentscheidungen, und die Bibliothek verfügt über umfangreiche digitale und physische Ressourcen. Bei etwa 5.500 eingeschriebenen Studierenden herrscht eine familiäre Atmosphäre – die Kurse sind bewusst klein gehalten (höchstens 26 Teilnehmer), was intensive Diskussionen und individuellen Kontakt zu den Dozenten ermöglicht. Die Professoren zeichnen sich durch ihre Zugänglichkeit und ihr Engagement aus.

Ein besonderer Pluspunkt ist das mehrfach ausgezeichnete Career Services Center, das landesweit als führend gilt. Es bietet nicht nur Karriereberatung, sondern auch Zugang zu einem weitreichenden Unternehmensnetzwerk. Das Campus-Leben ist geprägt von zahlreichen studentischen Organisationen und Events, die regelmäßig Networking-Gelegenheiten und Praxiseinblicke schaffen.

Die strategische Lage nahe Boston eröffnet Studierenden vielfältige Möglichkeiten: von Praktika in führenden Unternehmen bis hin zu kulturellen Angeboten einer Weltmetropole. Diese Kombination aus exzellenter Lehre, umfassendem Support und praktischen Karrierechancen macht Bentley zu einer idealen Wahl für ein Auslandssemester.

Studium – Bachelor-Ebene

Austauschstudierende im Bachelor-Bereich müssen minimum vier Lehrveranstaltungen belegen, was 12 amerikanischen Credits bzw. 24 ECTS-Punkten entspricht. Die Kursanmeldung gestaltet sich unkompliziert: Austauschstudierende erhalten frühzeitig alle notwendigen Informationen und haben in der Regel freie Kurswahl ohne Kapazitätsbeschränkungen. Alle Lehrveranstaltungen finden in Präsenz statt, wobei die Durchsetzung der Anwesenheitspflicht je nach Dozent variiert.

Ein wesentlicher Unterschied zu vielen deutschen Universitäten liegt im kontinuierlichen Arbeitsaufwand: Regelmäßige Hausaufgaben sind Standard und fließen in die Endnote ein. Diese sind meist nicht besonders schwierig, erfordern aber Disziplin und Kontinuität.

Kursbewertungen:

EC 224 – Intermediate Microeconomics Dieser Kurs bietet einen zugänglicheren Zugang zur Mikroökonomie als vergleichbare europäische Veranstaltungen. Der mathematische Anteil ist reduziert zugunsten einer ausführlichen konzeptionellen Erklärung. Die Benotung erfolgt über drei Klausuren plus wöchentliche Übungsaufgaben. Besonders positiv: Die Anwesenheit wurde flexibel gehandhabt. Empfehlenswert für alle, die einen Mikroökonomie-Schein benötigen.

EC 225 – Intermediate Macroeconomics Eine solide Einführung in fortgeschrittene makroökonomische Konzepte mit gelegentlichen Wiederholungen aus Grundkursen. Der Fokus liegt auf dem Verständnis von Zusammenhängen rather als auf mathematischen Modellen. Die Dozentin zeigt große Leidenschaft für ihr Fach, kann aber gelegentlich ungeduldig werden und Studierende während Präsentationen unterbrechen. Bewertung über zwei Klausuren, mündliche Beteiligung, eine Präsentation und wöchentliche Aufgaben (hier zählt nur die Bearbeitung, nicht die Korrektheit).

EC 223 – Intro to Mass Communication Ein entspannter Kurs über Mediengeschichte und journalistische Skandale. Der Arbeitsaufwand ist minimal – oft bestehen Aufgaben nur im Anschauen von Filmen oder Serien. Die Dozentin gestaltet den Unterricht interaktiv durch Gruppenarbeiten und bringt relevantes Fachwissen mit. Benotung über wöchentliche Quizzes und drei Präsentationen.

ID 150 – Introduction to Nonprofit Organizations Besonders wertvoll für Studierende mit Interesse am Non-Profit-Sektor. Der Professor verfügt über umfangreiche Praxiserfahrung und exzellente Branchenkontakte, wodurch authentische Einblicke vermittelt werden. Allerdings dominiert eine US-amerikanische Perspektive, besonders bei rechtlichen Aspekten. Der Arbeitsaufwand ist höher als in anderen Kursen – wöchentliche Essays zum Lehrbuch sind Standard. Bewertung über Essays und Gruppenarbeit. Achtung: Sehr strenge Anwesenheitsregelung mit Notenabzug bereits ab der zweiten Fehlstunde.

Studium – Master-Ebene

Auf Master-Niveau können drei Kurse belegt werden (9 lokale Credits entsprechen 18 ECTS). Die Einschreibung erfolgt unkompliziert über den Austauschkoordinator – eine E-Mail mit Kurswünschen genügt. Drei Kurse gelten als Vollzeit-Pensum und erfüllen die Mindestanforderung.

Alle Master-Kurse werden hybrid angeboten, was enorme Flexibilität ermöglicht – ideal für Reisen oder andere Verpflichtungen. Viele amerikanische Studierende nutzen die Online-Option aufgrund beruflicher oder familiärer Verpflichtungen.

Der Arbeitsaufwand verteilt sich gleichmäßig über das Semester: Wöchentliche Assignments sind zwar weniger anspruchsvoll als an deutschen Unis gewohnt, aber zeitaufwendiger und umfangreicher.

Kursbewertungen:

FI631 – Financial Modeling Der absolute Höhepunkt des Semesters und gleichzeitig die größte Herausforderung. Der Kurs bietet einen umfassenden und praxisnahen Einblick in Financial Modeling. Nach theoretischen Grundlagen folgt intensive Praxis in Excel, die bis zu komplexen Monte-Carlo-Simulationen führt. Der Professor ist außergewöhnlich kompetent und engagiert – er stellt sicher, dass alle Studierenden mithalten können. Bewertung über vier Quizzes, eine Zwischenprüfung, eine Abschlussprüfung und Mitarbeit. Die Benotung ist fair und großzügig. Absolute Empfehlung für alle mit Interesse an Finanzmodellierung.

GR602 – Business Process Management Ein praxisorientierter Einsteigerkurs in Lean Management, Six Sigma und Geschäftsprozessoptimierung. Das Highlight war die Einführung in SAP Signavio und SAP-Systeme allgemein. Der Kurs vermittelt einen soliden Überblick über Geschäftsprozesse und deren Optimierung. Die Benotung ist großzügig und die Lernatmosphäre angenehm. Allerdings wirkt der Kurs wenig inspirierend – viele Studierende wechselten nach den ersten Sitzungen zur Online-Teilnahme. Eine solide Wahl für Einblicke in Prozessmanagement, aber ohne außergewöhnliche Erkenntnisse.

GR604 – Global Strategy Ein klassischer Strategiemanagement-Kurs mit wöchentlichen Harvard Business School Fallstudien als Kern. Ergänzt wird dies durch Gruppenarbeit mit der GLO-BUS Unternehmenssimulation. Der praktische Bezug durch Fallstudien und Simulationen ist stark, allerdings sind viele theoretische Frameworks bereits aus anderen Kursen bekannt. Diskussionen bleiben oft oberflächlich. Der Arbeitsaufwand ist hoch, besonders durch wöchentliche Assignments, das akademische Niveau aber weniger anspruchsvoll als gewohnt. Empfehlenswert für Studierende, die gerne mit Harvard-Fallstudien arbeiten.

MG635 – Negotiating Ein faszinierender und praxisrelevanter Kurs mit wertvollen Erkenntnissen für alle Lebensbereiche – von Gehaltsverhandlungen bis zu Geschäftsabschlüssen. Der Arbeitsaufwand ist mittel bis hoch mit wöchentlichen Assignments und umfangreichen Texten (30-100 Seiten). Die Vorlesungen werden durch persönliche Erfahrungen des Dozenten bereichert. Durch individuelle Bewertung der Mitarbeit sind die Sitzungen sehr interaktiv, was aber manchmal zu langatmigen Diskussionen mit ähnlichen Studentenanekdoten führt. Bewertung über wöchentliche Aufgaben, Filmanalysen, Mitarbeit und eine Präsentation. Empfehlenswert für alle Verhandlungsinteressierten, wobei viel Wissen auch durch Selbststudium erworben werden könnte.

Vorbereitung des Aufenthalts

Mitte März meldet sich der Austauschkoordinator erstmals per E-Mail und erklärt detailliert die anstehenden Schritte. Er steht bei Fragen und Problemen jederzeit zur Verfügung und ist nach Berichten anderer Austauschstudierender sehr hilfsbereit. Bestimmte Impfungen sind Pflicht, decken sich aber größtenteils mit den Standardempfehlungen im deutschsprachigen Raum. Aktuelle Impfanforderungen können beim Auswärtigen Amt eingesehen werden. Bei bereits durchgemachten Krankheiten wie Windpocken kann ein Antikörpertest die Impfung ersetzen. Es gibt einen festen Einzugstermin auf dem Campus, frühere Ankunft ist aber nach Absprache mit der Universität möglich.

Visa und Einreise

Der Austauschkoordinator führt Schritt für Schritt durch den Visa-Prozess mit detaillierten Anleitungen. Da der Prozess zeitaufwendig ist, sollte frühzeitig begonnen werden. Für das US-Visa ist ein Termin bei der amerikanischen Botschaft oder einem Konsulat in Deutschland, Österreich oder der Schweiz erforderlich. Weitere Informationen zum F-1 Studentenvisa finden sich auf den offiziellen US-Regierungsseiten.

Wohnen

Bei der Entscheidung für Campus-Wohnen können Präferenzen für Einzel- oder Doppelzimmer sowie Suite oder Apartment (mit Küche) angegeben werden. Die Gebäudezuteilung erfolgt durch die Universität. Detaillierte Informationen zu den Wohnmöglichkeiten auf dem Campus sind auf der Universitätswebsite verfügbar. Als Austauschstudent ist ein Einzelzimmer unwahrscheinlich, außer bei medizinischer Begründung. Die Wohnkosten übersteigen deutlich deutsche Verhältnisse, besonders bei geteilten Zimmern. Dennoch ist Campus-Wohnen für die authentische College-Erfahrung empfehlenswert, da es Kontakt zu amerikanischen Studierenden und dem Campus-Leben ermöglicht.

Finanzielle Aspekte

Die Lebenshaltungskosten in der Region Boston sind vergleichbar mit deutschen Großstädten wie München oder Hamburg. Fixkosten für Unterkunft und den verpflichtenden Healthcare Plan betragen circa 12.000 USD pro Semester. Zusätzlich sollten monatlich 500-800 USD für Freizeitaktivitäten, Reisen und persönliche Ausgaben eingeplant werden.

Der Campus-Meal-Plan ist nicht empfehlenswert: Das Essen ist durchschnittlich, oft bleiben Meal-Swipes ungenutzt, und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht. Flexibler und oft günstiger ist die individuelle Bezahlung pro Mensabesuch. Dann sollte aber unbedingt ein Apartment mit Küche gewählt werden, da fußläufig nur wenige Restaurants erreichbar sind.

Bei vorausbezahltem Meal-Plan entstehen auf dem Campus kaum laufende Kosten. Die Gesamtausgaben hängen stark von persönlichen Reisegewohnheiten und Lebensstil ab – Häufigkeit und Ziele von Reisen, Unterkunftswahl und Freizeitbudget beeinflussen die Kosten erheblich.

Ungeplante Ausgaben: Spontankosten entstehen meist durch Reisen, Ausflüge oder zusätzliche Aktivitäten. Auch kleinere medizinische Behandlungen können trotz Healthcare Plan Zusatzkosten verursachen. Eine Reserve von 500-1.000 USD ist ratsam.

Spartipps:

  • Meal-Plan vermeiden: Apartment mit Küche wählen und selbst kochen. Gelegentliche Mensabesuche einzeln bezahlen.
  • Reisen vorausplanen: Frühbucher-Angebote und Plattformen wie Airbnb oder Flixbus nutzen.

Banking/Geldtransfer: Die meisten Austauschstudierenden nutzen Online-Banking-Dienste wie Revolut oder Wise für Überweisungen aufgrund niedriger Gebühren und guter Wechselkurse. Diese sind ideal, um größere Beträge aus Deutschland zu überweisen, ohne unnötige Bankgebühren zu zahlen. Für alltägliche Zahlungen kann ein amerikanisches Konto bei Bank of America oder Chase sinnvoll sein, um Transaktionsgebühren zu sparen.

Leben in den USA

Das Campus-Leben war insgesamt sehr bereichernd. Die Sportanlagen sind hervorragend: Fitnessstudio, Schwimmbad, Eishalle und Felder für verschiedene Sportarten. Der Beitritt zu Universitätsteams ist für Austauschstudierende schwierig, da diese meist wettkampfmäßig gegen andere Unis antreten. Da Bentley kein Buddy-System anbietet, entstehen Freundschaften hauptsächlich unter Austauschstudierenden.

Gemeinsame Reisen führten nach New York, Washington D.C., Montreal, Cape Cod, Miami und Puerto Rico. Boston bietet erstklassige Sportteams – Besuche bei Red Sox (Baseball), Celtics (Basketball), Patriots (Football) oder Bruins (Eishockey) sind sehr empfehlenswert. Auch das Nachtleben in Boston lohnt sich: Ein kostenloser Shuttle fährt in 30 Minuten zum Harvard Square, von wo die Innenstadt leicht erreichbar ist. Wichtig: Das Mindestalter für Bars und Clubs liegt bei 21 Jahren.

Gesamtfazit

Das Semester an der Bentley University war außerordentlich bereichernd. Die Kurse waren praxisnah und lehrreich, die gewonnenen Erfahrungen wertvoll.

Ein Austausch an der Bentley University ist uneingeschränkt empfehlenswert. Die Mischung aus qualitativ hochwertigen Lehrveranstaltungen, spannenden Reisen, neuen Freundschaften und dem authentischen Campus-Leben bietet eine unvergessliche College-Erfahrung. Die etwas abgelegene Lage außerhalb Bostons ist dabei nur ein kleiner Wermutstropfen.


Hilfreiche Links und Ressourcen

Geographische Lage: https://maps.google.com/maps?q=Bentley+University,+Waltham,+MA,+USA

Offizielle Uni-Webseite: https://www.bentley.edu/

Wikipedia-Eintrag des Landes: https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Staaten

Wikipedia-Eintrag der Uni: https://de.wikipedia.org/wiki/Bentley_University